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 Beurteilung der Schulfähigkeit  

von Waldkindergartenkindern nach Prof. Gorges (1999)*

 

Zunächst hat der Kindergarten nicht die Hauptaufgabe Kinder schulfähig zu machen. Das Ziel laut KJHG (Kinder- und Jugendhilfe Gesetz) ist die Entwicklung der Kinder zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Person zu fördern.

 

Wie kann man aber den Kindern den Einstieg in die Schule durch gezielte pädagogische Maßnahmen erleichtern, und welche für die Schulfähigkeit benötigten Voraussetzungen kann man speziell im Waldkindergarten fördern?

  • Geht es um die körperlichen Voraussetzungen und den allgemeinen Gesundheitszustand ist der Waldkindergarten geradezu ideal. So wird die Entwicklung der Psychomotorik auf ideale Weise durch die nahezu unbegrenzte Bewegungsmöglichkeit im Wald gefördert. Auch die Kräftigung des Immunsystems wird in Erfahrungsberichten immer wieder hervorgehoben.
  • Die geistigen Voraussetzungen wie z. B. differenzierte Wahrnehmung, Sprach- und Merkfähigkeit werden im Waldkindergarten fast täglich durch die Beobachtung von Tieren und Pflanzen, durch Sammeln und Ordnen trainiert. Auch die in Regelkindergärten üblichen Aktivitäten wie Singen, Gedichte erlernen oder Rollenspiele kommen im Wald nicht zu kurz.
  • Die motivationalen und sozialen Voraussetzungen finden im Waldkindergarten ebenfalls starke Beachtung. Durch das anregende Umfeld im Wald, lernen die Kinder sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Gerade im Wald müssen Kinder sich an Regeln halten, sich gegenseitig helfen und mit Konflikten angemessen umgehen.

 

Welche Voraussetzungen werden im Waldkindergarten möglicherweise vernachlässigt?

  • Einen geringen Stellenwert im Waldkindergarten hat der Umgang mit schulgängigen Materialien.
  • Auch das Anpassen an soziale Normen und Verhaltensweisen wie sie in der Schule üblich sind, z. B. langer Aufenthalt in geschlossenen Räumen, wird im Waldkindergarten nicht speziell gefördert.
  • Je nach Konzeption der einzelnen Waldkindergärten fehlt manchmal der übergreifende Erfahrungswert, d. h. andere Lebensräume kennenlernen und entdecken.  

 

Abschließend lässt sich feststellen, dass es keine objektiven Kriterien für die Schulfähigkeit von Kindern gibt. Es gibt gewisse Basisvoraussetzungen, die den Kindern den Übergang vom Kindergarten in die Schule erleichtern. Hierfür bietet der Waldkindergarten sehr günstige Bedingungen.

* Prof. Gorges lehrt an der Fachhochschule Darmstadt, und hat 1998 im Auftrag des Landesjugendamtes Hessen eine Untersuchung zur Schulfähigkeit von Waldkindergartenkindern durchgeführt. Die Ergebnisse können keine Repräsentativität beanspruchen; dennoch lassen sich deutliche Tendenzen benennen.

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